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Medizinischer Lebenslauf
Ich wurde 1963 in NRW geboren. Da meine Mutter nichts
von den möglichen Komplikationen ahnte, entschied sie sich
für eine sogenannte Hausgeburt. Ich wurde also nicht im Krankenhaus,
sondern zuhause mit einer Hebamme als Unterstützung geboren.
(Das war in unserer Familie wohl seit ein paar Generationen so üblich.)
Daß etwas nicht stimmte, war natürlich
sofort nach meiner Geburt klar, und ich wurde in eine Kinderklinik
gebracht. Dort wurde ich erst einmal hauptsächlich beobachtet,
aufgepäppelt, untersucht und bekam Medikamente gegen die Bakterien
im Urin. (Dieses Problem haben soviel ich weiß alle Kinder
mit meiner Behinderung und auch im Laufe des weiteren Lebens muß
man immer wieder mal gegen Infektionen der Harnwege vorgehen.)
Im Februar 64 wurde dann der Rücken geschloßen
und kurz darauf der Hc versorgt.
Im April 64 wurden meine Klumpfüße mit
"redressierendem Gips" behandelt. (Bitte fragen Sie mich
nicht, was das genau ist! Ich habe die Fachbegriffe nur aus den
alten Berichten abgeschrieben.)
66 waren die verkürzten Archillessehnen an der
Reihe. Dadurch wurde der sogenannte Spitzfuß korrigiert.
Ich hatte von Geburt an zu starke Beugemuskeln in
den Beinen und der Hüftkopf saß nicht richtig in der
Hüftpfanne. Diese Probleme wurden zwischen 1968 und 1970 operativ
behoben und das Ergebnis sowie meine Fortschritte immer wieder kontrolliert.
Erst nach diesen Operationen konnte ich anfangen mit Hilfe von beckenhohen
Schienen und "Unterarmgehstützen" zu laufen. Die
Schienen wurden mit der Zeit bis auf Höhe der Unterschenkel
abgebaut und einige Zeit später konnte ich auf orthopädische
Schuhe umsteigen.
Damit waren die lebensnotwendigen und grundlegenden
Operationen abgeschlossen. Trotzdem konnte ich weitere Krankenhausaufenthalte
nicht vermeiden.
1972 brach ich mir bei einem Fahrradunfall - ich fuhr
damals ein spezielles Dreirad - den linken Oberarm.
1975 bekam ich ein sogenanntes Sigma Conduit - Ihnen
wahrscheinlich besser als Seitenausgang bekannt. Dabei wird mit
einem Stück Dünndarm eine Harnableitung durch die Bauchdecke
gelegt. Davor wird ein Plastikbeutel auf die Haut geklebt, in den
der Urin läuft.
Zwischen 1975 und 86 hatte ich immer wieder mit Druckstellen
zu tun. Das sind offene Hautstellen, bei mir über dem Sitzbein,
die, wegen der schlechten Durchblutung die meine Behinderung mit
sich bringt, nur schwer heilen. Deshalb war ich in dieser Zeit alle
zwei bis drei Jahre im Krankenhaus. Die Druckstellen wurden meistens
mit sogenannten Schwenklappen oder Hauttransplantationen abgedeckt.
Zwischen 1986 und 96 hatte ich nur kleinere Druckstellen,
die ich selbst - mit Hilfe meines Hausarztes - gut zubekommen habe.
Seit ca. 1995 habe ich durch mehrere Stürze mit
verlängerten - d.h. praktisch unbrauchbaren - Sehnen in den
Knien zu tun. Dadurch kann ich nicht mehr die Strecken laufen, die
ich vorher zurückgelegt habe. Ich muß seitdem deutlich
häufiger mit dem Rollstuhl fahren. Das führte dazu, daß
ich eine chronische Sehnenscheidenentzündung in beiden Handgelenken
habe und seit 1997/98 teilweise auf einen elektrischen Rollstuhl
angewiesen bin.
Außerdem ging - durch die viele Sitzerei - in
dieser Zeit das alte Spiel mit den Druckstellen wieder von vorne
los, und ich mußte mehrere Jahre hintereinander wieder regelmäßig
ins Krankenhaus. Seit ich in Erwerbsunfähigkeitsrente bin,
nehme ich mir aber die Zeit, die Druckstellen zuhause auszukurieren.
(Es nervt einfach dauernd ins Krankenhaus zu müssen, und nie
genau zu wissen, wie lange die Haut wieder hält! Da kann ich
mir das auch ersparen!) Mein Hausarzt spielt solange mit, bis es
ihm wegen einer Infektion zu riskant wird. Dann spricht er ein Machtwort
und ich muß eben doch ins Krankenhaus. Ich weiß aber
auch, daß es wirklich gefährlich werden kann, wenn er
erst einmal sagt: "Das mache ich ambulant nicht mehr!"
Pech gehabt, kann ich dann nur sagen. :-((( und ein
langes Gesicht ziehen. Hilft aber nicht.
2003 Und dieses Jahr hatte ich bisher wirklich wieder
Pech! Die Druckstelle ist im Februar diesen Jahres doch noch außer
Kontrolle geraten und ich musste für acht Wochen in die Unfallklinik
Murnau um - wieder mal - operiert zu werden. Keine zwei Monate später
bemerkte ich eine Schwellung unter der Haut und suchte natürlich
wieder meinen Hausarzt auf. Der schickte mich vorsichtshalber wieder
ins Krankenhaus Ergebnis: Ein Abszess unter der Haut, der erst gespalten
und später operativ verschlossen werden musste. Da bei einer Routineuntersuchung
auch noch Verdacht auf Blasenkrebs aufkam, wurde mein Krankenhausaufenthalt
um drei Wochen verlängert. Der Verdacht hat sich jedoch - Gott sei
dank - nicht bestätigt. Jetzt muss ich immer wieder für ausreichende
Pausen sorgen. Dass heißt auch, dass ich eben vieles, wozu ich nicht
unbedingt sitzen muss, im Liegen erledige, um meine strapazierte
Sitzfläche zu entlasten. Das klappt - auch dank sehr verständnisvoller
Freunde, die, wenn ich eingeladen bin, immer wieder eine Möglichkeit
zu entlasten für mich finden - recht gut. Jedenfalls bin ich bisher
von weiteren Problemen dieser Art verschont geblieben. (Aber das
sage ich lieber nicht zu laut ;-) .)
2004: Zur Zeit sieht es so aus, als wenn ich wirklich
jedes Jahr ins Krankenhaus muss. Mitte Juli bin ich wegen eines
akuten Darmproblems in eine Notfallpraxis gegangen und von dort
wegen Verdacht auf Nierenstau gleich in die örtliche Kreisklinik
überwiesen worden. Dort hat man mir eine Nierenfistel angelegt,
um die Niere zu entlasten. Nach knapp zwei Wochen wurde ich - mit
Nierenfistel und dem dazugehörenden Katheter nach Hause entlassen
um auf meine Einweisung in die Uniklinik Bonn - ca. 14 Tage später
- zu warten. Laut den Ärzten in der Kreisklinik sind auf Grund meiner
Behinderung nur urologische Kliniken in Bonn, Mainz oder Heidelberg
in der Lage, die nötige OP durchzuführen. (Später, in Bonn habe
ich dann erfahren, dass eine Klinik in der Nähe meines Wohnortes
diese Op ebenfalls durchführen kann. (Dumm gelaufen!)
Das hiess für mich: Drei Wochen lang ca. 600 km von zu Haus, Freunden
und Verwandten getrennt und erneut viele Untersuchungen (vor allem
Nierensonos und Nierenröntgen) und eine mehrstündige OP, bei der
der Harnleiter verlegt und gleich die Blase mit entfernt wurde,
über mich ergehen lassen. Die Blase brauche ich sowieso nicht mehr
und sie macht mir seit letztem Jahr verstärkt Probleme - also: raus
damit! (Das war mein eigener Wunsch.)
Über das Klinikpersonal in beiden Krankenhäusern (Schwestern, Pfleger
und Ärzte) habe ich mich schon so oft aufgeregt, dass ich keine
Lust habe, die ganze Geschichte hier wieder aufzuwärmen. Es waren
aber auch einige gute Mitarbeiter darunter - diese Einschätzung
ist natürlich subjektiv und ich komme mit Leuten aus, mit denen
ein anderer vielleicht nicht kann das ist mir klar. Nur: Wenn ich
bei starken Schmerzen jedes Mal den Satz zu hören bekomme: "Jetzt
bekommen Sie erst mal ein Schmerzmittel und dann sehen wir weiter."
Und dann kommt der Arzt, wenn ich Glück habe erst am selben Tag
um zehn Uhr nachts - und wenn ich Pech habe erst am nächsten Abend,
da langt es mir einfach irgendwann! Ich bin dann auch ziemlich lästig
geworden und hab immer wieder darauf bestanden, dass nicht nur die
Symptome, sondern auch die Ursachen behandelt werden. (Kommentar
eines Pflegers dazu: "Du machst dir viel zu viele Gedanken.")
Inzwischen ist mir zwar klar, dass bei dem Personalmangel heutzutage
oft nichts anderes bleibt, als die Patienten ruhig zu stellen, aber
wenn man mit Schmerzen im Zimmer liegt und die Schmerzmittel nicht
mehr helfen ist einem das herzlich egal.
Ein gutes hat der Krankenhausaufenthalt allerdings gehabt: Ich habe
Leute aus einem Forum, in dem ich reglemässig bin, persönlich kennengelernt.
Das war schön! Und: Ich habe einige sehr interessante Gespräche
mit einer Ordensschwester aus dem Seelsorgeteam des Krankenhauses
gehabt.
Inzwischen bin ich schon ca. vier Wochen zu Hause und der Alltag
hat mich wieder, auch wenn ich das Gefühl nicht loswerde, dass ich
nicht mehr so viel kann, wie vor der OP. (Aber das meiste geht schon
wieder.)
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